PreisträgerInnen

Buchkultur e.V., der Verein der Freunde antiquarischer Bücher, die Stadt Ludwigsburg und die Wiedeking Stiftung Stuttgart verleihen den 27. Antiquaria-Preis für Buchkultur

Olaf Wegewitz

Die Jury des Antiquaria-Preises für Buchkultur hat den Preis für 2021 dem Buchkünstler Olaf Wegewitz zuerkannt, der über Jahrzehnte hinweg ein beeindruckendes Werk von hohem bildnerischem und haptischem Reiz geschaffen hat.

Das buchkünstlerische Schaffen von Olaf Wegewitz hat seinen Ursprung in der eigenständigen Buchkunstszene der DDR, nimmt aber Anregungen aus der ganzen Welt auf. Bis heute hat er diesen Ansatz unbeirrt weiter getrieben und entfaltet.

In seinen komplexen Buchobjekten und Objekt-Büchern scheint so etwas wie der abenteuerliche Reiz des Bücherlesens schlechthin eingefangen: das Geheimnis des Umblätterns. Schwarz-Weiß und Farben, Schriften und Zeichen, Flächen und Hohlräume – dabei oftmals Inhalte außereuropäischer Kulturen aufgreifend – verbinden sich zu einem erstaunlichen papierenen Kosmos voller Bezüge auf Naturphänomene und Kulturtechniken.

Seine Betrachtung wirkt überraschend wie eine allererste Begegnung mit einer sagenhaften Kostbarkeit: dem Buch.

Die bisherigen PreisträgerInnen

26. Antiquaria-Preis 2020 – Begründung der Jury:

Die Jury hat den Preis für das Jahr 2020 einstimmig dem Schriftsteller und Graphiker Christoph Meckel zuerkannt. Meckels faszinierende Eigenart ist es, daß er in singulärer Weise seine Dichtung und seine Graphik nebeneinanderstellt und ineinanderführt; die Werke, in denen sich seine Literatur und seine Radier- und Zeichenkunst begegnen, können als klassische Beispiele jener „Buchkultur“ gelten, welcher der Preis sich widmet. Er ist ein außerordentlicher Illustrator eigener und gelegentlich fremder Texte; seine Bilderfindungen potenzieren die Vorlage, ohne je dekorativ zu wirken, und erzählen eigene Geschichten – es sind im Sinne der romantischen Ästhetik profunde Arabesken. Besondere Aktualität besitzt seine 1974 für die Büchergilde Gutenberg illustrierte Ausgabe der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

25. Antiquaria-Preis 2019 – Begründung der Jury:

Die Jury hat den Antiquaria-Preis für 2019 Klaus Völker zuerkannt.

Der über ein halbes Jahrhundert hinweg mit einer Fülle von Editionen, Anthologien und Einzelstudien hervorgetretene Philologe, dem Theater als Dramaturg an mehreren Bühnen und als Rektor der Schauspielschule Ernst Busch eng verbunden, ein Kenner mit dem Blick für das Entscheidende im scheinbar Abseitigen, verkörpert mit seinem Werk in klassischer Weise jene ingeniöse Belesenheit, auf deren Interventionen die Buchkultur angewiesen ist.

Seiner monumentalen Ausgabe der Werke von Max Herrmann-Neisse verdankt sich die Wiederentdeckung dieses bedeutenden Expressionisten. Von Faust und der Päpstin Johanna zu Alfred Jarry und Boris Vian, von den Vampiren, Werwölfen und Künstlichen Menschen seiner legendären Sammlungen bis zu Brecht und Wedekind, Fritz Kortner und Elisabeth Bergner hat er den Lesern (und den Theaterzuschauern) entscheidende Hinweise gegeben, und er hat vorgeführt, wie man weit blickende Kennerschaft mit Text-Akribie verbindet.

24. Antiquaria-Preis 2018 – Begründung der Jury:

Das Verleger-Ehepaar Karin und Bertram Schmidt-Friderichs hat den Mainzer Verlag Hermann Schmidt in den letzten 25 Jahren mit Enthusiasmus und sicherem Gespür zu dem strahlenden Leuchtturm in den Bereichen Visuelle Kommunikation und Kreativität gemacht.

Die großen und kleinen, aber immer feinen Werke zeigen, dass auch in der digitalen Welt Gestaltung, Typografie und Illustration auf höchstem Niveau tradiert und weiterentwickelt werden können.

Neben den individuell gestalteten und hochwertig wie nachhaltig produzierten Büchern entstehen regelmäßig Gesamtverzeichnisse, die in der Tradition der fast vergessenen Verlagsalmanache der unverwechselbare Fingerabdruck des Verlags sind.

Sie sind neben den unverzichtbar gewordenen Standardwerken inzwischen zu eigenen Sammelobjekten geworden.

23. Antiquaria-Preis 2017 – Begründung der Jury:

Die Jury hat den Antiquaria-Preis 2017 einstimmig dem Typographen und Buchgestalter Friedrich Forssman zuerkannt.

Friedrich Forssman hat bedeutende Werkausgaben – Arno Schmidt, Walter Benjamin, Christoph Martin Wieland – ebenso gestaltet wie das Gesamtbild der Publikationen von Verlagen (Reclam, Weidle u.a.) und von Institutionen wie der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Alle diese Arbeiten zeigen die akribische Liebe zum Detail, die sich unbeirrbar darauf konzentriert, modernen wie historischen Texten ihre schlüssige typographische Physiognomie zu geben.

Forssman vertritt eine glanzvoll diskrete Form klassischer Buchgestaltung, mit der jene ideal lesbaren Texte entstehen, über die ein Meister wie Tschichold mit nüchternem Understatement die Formel setzte: „Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie“.

22. Antiquaria-Preis 2016 – Begründung der Jury:

Die monumentale Fünfzehnhundert-Seiten-Studie ist ein eindrucksvolles Unternehmen des umfassenden Sammelns, der „autoptischen“ Kennerschaft und der präzisen wissenschaftlichen Durchdringung. Die beiden Herausgeber (und die hinzugezogenen anderen Autoren einzelner Aufsätze) haben im Sinne einer allgemeinen „Bildwissenschaft“ einen buchhistorischen Kontinent vermessen, der an vielen Stellen noch wenig bekannt war und erst in der nun dargelegten Gesamtheit und Vielfalt seine ganze Bedeutung zeigt: die Kulturgeschichte des deutschsprachigen Fotobuches in seinen ersten Jahrzehnten.
Das Werk zeigt, wie Fotobücher die Wahrnehmung einer Epoche mitgeprägt haben. Mit der Vergabe an Manfred Heiting und Roland Jaeger wird zum ersten Mal in der Chronik des Antiquaria-Preises die immer noch wachsende Bedeutung der Fotografie im Buchwesen gewürdigt: für den Sammler, den Buchhistoriker und für jene Wissenschaften, die sich mit dem Ineinander von Ästhetik und Politik zu befassen haben.

21. Antiquaria-Preis 2015 – Begründung der Jury:

Die Jury des Antiquaria-Preises für Buchkultur hat den Preis für das Jahr 2015 dem Publizisten Lothar Müller zuerkannt.

Lothar Müller ist nicht nur als Rezensent und Berichterstatter ein glänzender Journalist, er hat auch immer wieder Fragen der Lese- und Buchkultur pointiert behandelt, sei es in seinen Berichten über die Bibliotheken von Berlin oder in philologischen Arbeiten zum 18. und 19. Jahrhundert (Karl Philipp Moritz, A. W. Schlegel).

Unter seinen Büchern ist neben der mediengeschichtlichen Studie über den Rezitator in der Moderne (Die zweite Stimme, Wagenbach, 2007) vor allem ein Werk bemerkenswert, in das viele Studien und Vorarbeiten eingeflossen sind: Weisse Magie. Die Epoche des Papiers (Hanser, 2012). Diese souveräne Studie setzt bei der Produktion von Papier an, verfolgt die Papierherstellung in ihrer Verknüpfung mit der Geistesgeschichte durch die Jahrhunderte und streift dabei eine Fülle von bedeutenden Themen: Zeitungstechnik und Kopistentätigkeit, Buchführung und Zettelkästen, Nachlaßpapiere und Papiertheater, verbunden mit subtilen Interpretationen literarischer Texte von Cervantes bis Gaddis. Lothar Müller ist der exemplarische Vertreter eines kultur- und wissenschaftsgeschichtlich solide fundierten, dem Buchwesen leidenschaftlich verbundenen Feuilletons, dessen Interventionen die Buchkultur dringender denn je benötigt.

20. Antiquaria-Preis 2014 – Begründung der Jury

Klaus Detjen bietet zu großen Texten überzeugende, innovative, ungewöhnliche und auch kompromisslose Gestaltungslösungen.

Alle Bände dieser Reihe sind eigenständige graphisch-typographische Interpretationen bei denen Inhalt und Gestaltung eng miteinander korrespondieren. Durch die stets aus dem Text entwickelten Visualisierungen lassen sich die Inhalte neu erfahren. Klaus Detjen rahmt den Lesetext mit typographisch-graphischen Illustrationen ein, damit dramatisiert, strukturiert oder destruiert er diesen in zusätzlichen Ebenen. Die Typographie überschreitet dabei ihre dienende Funktion.

Mit der zwischenzeitlich zehn Bände umfassenden »Typographischen Bibliothek« (erschienen im Wallstein-Verlag und der Büchergilde Gutenberg) hat der Gestalter Klaus Detjen eine Reihe typographischer Preziosen geschaffen.

19. Antiquaria-Preis 2013 – Begründung der Jury

Im Frühjahr 2012 wurde das 1884 gegründete Deutsche Buch- und Schriftmuseum im neuen Erweiterungsbau in Leipzig in einer völlig neu konzipierten Form – unter der Leitung von Stephanie Jacobs und ihrem Team – eröffnet.

Der klug durchdachte Parcours von den Keilschriften bis zu den digitalen Techniken spricht Laien ebenso wie Fachleute an und hat begeisterte Reaktionen und hohe Besucherzahlen ausgelöst.
In gelungener Balance werden ästhetisch herausragende wie unscheinbare, aber besonders aussagekräftige Stücke präsentiert. Informative Beschriftungen, unterstützt durch audiovisuelle Stationen machen den Besuch zu einem Erlebnis.

Das neue Museum ist ein wirkungsvoller Botschafter der Buchkultur aller Zeiten und Kulturen.

17. Antiquaria-Preis 2011 – Begründung der Jury

Die Jury hat den 17. Antiquaria-Preis einstimmig Ines Geipel und Joachim Walther zuerkannt, den Begründern des „Archivs unterdrückter Literatur in der DDR“ in Berlin und Heraus­gebern der Reihe „Die Verschwiegene Bibliothek“, die mit zehn Bänden 2009 bei der Büchergilde Gutenberg abgeschlossen wurde.

Das Archiv sammelt und sichert Texte von Autoren, deren Versuche (oft ganz und gar) in der DDR von der Zensur unterdrückt wurden; die Bibliothek hat in beispiel­hafter Auswahl die Zeugnisse dieser historischen Unhörbarkeit veröffentlicht. 

Durch die Arbeit der beiden Preisträger wurde also in einer Anzahl von exempla­ri­schen Fällen das Verschweigen beendet: Archiv und Bibliothek dienen als in sich zusammen­hängendes Unternehmen der Bewahrung von willkürlich der literarischen Öffentlichkeit entzogenen Buchprojekten und nähren so das geschichtliche Gedächtnis.

16. Antiquaria-Preis 2010 – Begründung der Jury

Die Jury spricht den Antiquaria-Preis 2010 dem Papiermacher und Papierkünstler Gangolf Ulbricht zu, dem hervorragenden Repräsentanten einer selten gewordenen Handwerkskunst, an die in der Epoche der Digitalisierung zu erinnern besonders bedeutsam und notwendig erscheint. Als Restaurator gefährdeter Bücher (u.a. für die Anna-Amalia-Bibliothek nach ihrer Katastrophe), als Verfertiger ganz besonderer Hand-Papiere und als Schöpfer von Papierkunst steht er als „Diener des Buches“ für eine Kultur des Papiers, die selbst manchen Liebhabern des Buches fast unsichtbar bleibt, deren fundamentale Bedeutung für die Tradition unserer Buchkultur durch die Preisverleihung betont werden soll.

2009: D.E. Sattler und KD Wolff für ihre historisch-kritische Frankfurter Hölderlinausgabe

2008: Hans Ries für seine Arbeiten zur Illustrationsgeschichte des 19. Jahrhunderts und seiner Edition der Werke Wilhelm Buschs

2007: Das Autorenteam des Kataloges: „Geraubte Bücher. Die österreichische Nationalbibliothek stellt sich ihrer Vergangenheit.“

2006: Jürgen Holstein, Berlin, für die Publizierung seiner Sammlung: „Blickfang. Bucheinbände und Schutzumschläge Berliner Verlage 1919 – 1933“

2004: Bernhard Fischer für seine Bibliographie: „Der Verleger Johann Friedrich Cotta: Chronologische Verlagsbibliographie 1787 – 1832“

2003: Reinhard Öhlberger, Wien, für seine Monographie der Buchhändleretiketten: „Wenn am Buch der Händler klebt“

2002: Katharina Wagenbach-Wolff, Friedenauer Presse Berlin, für ihre individuell und einfallsreich gemachten Bücher

2001: Wulf D. von Lucius, Stuttgart, für sein Buch „Bücherlust“

2000: Verlag Faber & Faber, Leipzig, für die inhaltliche und ästhetische Qualität seiner Buchreihen

1999: Josua Reichert für sein graphisches und typographisches Werk als Drucker und Künstler

1998: Dr. Herbert Jacob, Berlin, für seine bibliographische Arbeit

1997: Eckehart Schumacher Gebler für seine Werkstätten und das Museum der Druckkunst in Leipzig

1995: Professor Dr. Albert Kapr für seine Arbeiten zur Formengeschichte der Fraktur

Ausserordentliche Ehrungen der Jury

1998 an Wendelin Niedlich als Anerkennung für seine Verdienste für die Literatur

2002 an Hannelore Jouly als Anerkennung ihrer Verdienste für die ‚Lebendige Bibliothek‘

2006 an Freundeskreis Buchkinder e.V., Leipzig, für das interessante, bildungspolitisch aktuelles pädagogische Projekt, den Kindern das Besondere an Büchern greifbar und erlebbar zu machen.

2017 an den Verein Künstlerhaus Ahrenshoop für die Künstlerbücher und Buchobjekte, die seit zwanzig Jahren in der »Edition Hohes Ufer Ahrenshoop« entstehen.